Wie ich gelernt habe, mich selbst zu halten
Es gab eine Zeit, in der mich meine eigenen Gefühle schnell verunsichert haben. Innere Anspannung, Angst, Grübeln und körperliche Stressreaktionen konnten mich innerhalb von Sekunden aus dem Gleichgewicht bringen. Ich wollte ruhig bleiben, klar bleiben, stabil bleiben – aber mein Körper reagierte anders. Das hat mich oft überfordert und manchmal auch beschämt. Ich wusste nicht, wie ich mich selbst beruhigen oder halten sollte, wenn es in mir eng wurde.
Der entscheidende Wendepunkt kam, als ich verstanden habe, dass Selbstregulation nicht der erste Schritt ist. Ich musste sie über Co‑Regulation lernen – also über den sicheren Kontakt mit einem anderen Menschen, der mich nicht bewertet, nicht drängt und mich in meiner inneren Realität ernst nimmt. Erst in diesem sicheren Gegenüber konnte mein Nervensystem begreifen, wie sich Ruhe, Halt und Stabilität überhaupt anfühlen.
Durch Co‑Regulation habe ich gelernt:
dass meine Gefühle nicht gefährlich sind
dass mein Körper nicht „gegen mich arbeitet“, sondern mich schützen will
dass ich nicht allein durch Angst durch muss
dass Sicherheit ein körperliches Erleben ist – kein Gedanke
dass ich mich selbst halten kann, wenn ich vorher gehalten wurde
Von dort aus begann mein Weg in die Selbstregulation. Schritt für Schritt konnte ich:
mit intensiven Gefühlen umgehen, ohne von ihnen überrollt zu werden
meinen Körper beruhigen, wenn Angst oder Anspannung auftauchten
innere Stabilität aufbauen, statt ständig im Alarmmodus zu sein
Grenzen setzen, ohne Schuldgefühle oder Angst vor Ablehnung
Beziehungen loslassen, die meine Unsicherheit verstärkt haben
mutige Entscheidungen treffen, die ich früher aus Angst vermieden hätte
Heute spüre ich ein inneres Fundament, das mich trägt – auch dann, wenn es im Außen stürmisch wird. Und genau deshalb arbeite ich so, wie ich arbeite: Über sicheren Kontakt, über Co‑Regulation, über ein Nervensystem, das wieder Vertrauen fassen darf. Erst daraus entsteht echte Selbstwirksamkeit.
Ich begleite Frauen, die sich nach innerer Ruhe, Stabilität und einem sicheren Umgang mit ihren Gefühlen sehnen. Frauen, die lernen möchten, sich selbst zu halten – aber nicht mehr alleine kämpfen wollen.